Neurodermitis – Symptome, Ursachen und Behandlung!

Neurodermitis – Symptome, Ursachen und Behandlung!

Juckende, rote, schuppige Haut? Das können Anzeichen für die tückische Hauterkrankung Neurodermitis sein. Die Neurodermitis (auch “atopische Dermatitis”)  ist eine der häufigsten Hautkrankheiten unserer Zeit.

Bei Menschen mit Neurodermitis rebelliert die Haut: Rötungen, Trockenheit und vor allem quälender Juckreiz sind typische Symptome, unter denen Betroffene leiden. Die genauen Ursachen bereiten Medizinern allerdings auch heute noch Kopfzerbrechen. 

Wir kennen die Hauterkrankung bei Babys häufig mit schuppender Neurodermitis Kopfhaut, bei Erwachsenen hingegen eher als unschöne Ausschläge im Gesicht und an den Händen

Millionen von Menschen weltweit leiden bereits unter Neurodermitis und die komplexe Erkrankung tritt immer häufiger auf. Lebensführung und Umweltbelastungen triggern sie. Mit entsprechender Behandlung, wie beispielsweise mit speziellen NeurodermitisCremes, lassen sich die Symptome jedoch gut in den Griff bekommen. 

Du machst dir Gedanken ob auch du erkrankt sein könntest? In diesem Beitrag erfährst du alles, was du über die tausend Facetten der Neurodermitis, sowie ihre Ursachen, Symptome und Behandlung wissen musst.

Neurodermitis – Wissenswertes in der Übersicht

  • Neurodermitis ist eine chronisch entzündliche Hautkrankheit. “Chronisch”, da sie in der Regel über lange Zeit hinweg in Schüben auftritt. “Entzündlich”, da sie neben trockener schuppender Haut, hauptsächlich durch starke Rötungen gekennzeichnet ist. 
  • Das Erscheinungsbild der Neurodermitis kann vielfältige Formen annehmen, doch typisch sind neben extrem trockener Haut vor allem sogenannte Beugeekzeme an Armen und Beinen. 
  • Was viele nicht wissen: unabhängig davon, wie stark die Erkrankung ausgeprägt ist, sie ist niemals ansteckend.
  • In den allermeisten Fällen treten die Symptome einer Neurodermitis im ersten Lebensjahr auf und verschwinden bei 50 % der Betroffenen im Alter von 5 bis 6 Jahren wieder. 
  • Wirklich geheilt werden, kann die Neurodermitis nicht. Die Haut kann ihre individuelle Zusammensetzung nicht verändern und wird immer trocken und anfällig bleiben.

Was genau ist Neurodermitis?

Der Begriff “Neurodermitis” kommt aus dem griechischen. “Neuro” heißt Nerv, “Derma” ist die Haut und die Endung “-itis” deutet auf einen Entzündungsprozess hin. Die Erkrankung verdankt ihren Namen also der Tatsache, dass die Medizin in der Vergangenheit fälschlicherweise davon ausging, eine Entzündung der Nerven sei die Ursache.

Obwohl diese Annahme mittlerweile widerlegt wurde, ist der Name „Neurodermitis“ im allgemeinen Sprachgebrauch deutlich verbreiteter als die medizinisch korrekten Krankheitsbegriffe „atopisches Ekzem“ und „atopische Dermatitis“.

Die Bezeichnung “atopisch” geht auf das griechische “atopia” zurück, was so viel wie Ortlosigkeit bedeutet. Wer an Neurodermitis leidet weiß, dass der Ausdruck den Nagel auf den Kopf trifft. Schließlich können die Symptome mehr oder weniger an jedem erdenklichen Körperteil auftreten.

Es handelt sich um eine genetisch bedingte Krankheit, bei der die Haut quasi undicht ist und so ihrer Rolle als Schutzbarriere nicht mehr gerecht werden kann.

Die Folge: Allergene und Reizstoffe aus der Umwelt können leichter eindringen und das Immunsystem wird überaktiv, wodurch Betroffene stark zu allergischen Reaktionen neigen.

Neurodermitis – Wer ist betroffen?

Der Großteil der Betroffenen von Neurodermitis erkrankt bereits im Laufe ihres ersten Lebensjahres. Obwohl die Erkrankung oft in der Pubertät endet, können auch Erwachsene noch unter der Erkrankung leiden.

Allerdings sind lediglich noch ca. 1,5 bis 3 % der Deutschen im Erwachsenenalter von atopischer Dermatitis betroffen.

In der Medizin ist man sich einig, dass das Risiko zu erkranken erblich bedingt ist. Gibt es in deiner Familie bereits Fälle von Neurodermitis, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch du Symptome entwickelst also erhöht.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl bekannter Neurodermitis-Erkrankungen kontinuierlich gestiegen. Bei der Mehrzahl von Neurodermitis-Patienten treten allerdings nur leichte Symptome auf.

Die Symptome bei Neurodermitis

Wo genau Neurodermitis auftritt und wie stark sie ausgeprägt ist, ist von Person zu Person unterschiedlich. Dennoch gibt es einige Leitsymptome, die bei Betroffenen verschiedener Altersgruppen in vergleichbarer Form auftreten und an denen man Neurodermitis erkennen kann.  

Charakteristisch ist der Verlauf in Schüben. Zur Vereinfachung kann man sich die Entwicklung von Neurodermitis in Form einer Welle vorstellen: auf der Spitze des Wellenbergs sind die Symptome am schlimmsten. Man spricht von einem akuten Schub.

Danach gehen die Beschwerden zurück und die Haut kann sich ein bisschen erholen. Wir sind also im Tal der Welle angekommen. Solche akuten Schübe und Zeiträume der Erholung folgen kontinuierlich aufeinander. In den Ruhephasen können gar keine Symptome oder auch nur trockene Haut auftreten.

Für den individuellen Verlauf einer atopischen Dermatitis spielt das Alter eine entscheidende Rolle. Die Neurodermitis verläuft bei Kindern also anders als bei Erwachsenen. Aufgrund der ständigen Belastung leiden Betroffene nicht nur unter den Symptomen selbst, sondern auch an Angststörungen oder Depressionen.

Leitsymptome bei Neurodermitis treten bei Betroffenen verschiedener Altersgruppen in vergleichbarer Form auf

Neurodermitis bei Kindern

Etwa jedes 5. Kind in Deutschland ist von atopischer Dermatitis betroffen. Neben extrem trockener, spannender Haut, gehören sogenannte Beugeekzeme zu den typischen Symptomen einer Neurodermitis bei Babys und Kindern. Diese fürchterlich juckenden Ausschläge treten vorwiegend in Arm- und Kniebeugen auf und zeichnen sich durch starke Rötung und Entzündungen aus.

Obwohl Beugeekzeme sehr oft nässen, sind die betroffenen Hautpartien meist trocken und rissig und kaum in der Lage Feuchtigkeit zu speichern. Auf lange Sicht können diese Stellen verkrusten und das Hautbild gröber wirken lassen.

Hautekzeme findet man jedoch nicht nur in Gelenkbeugen, oft tritt auch Neurodermitis an der Hand und im Nackenbereich auf.

Hautekzeme findet man oft in Gelenkbeugen, an der Hand und im Nackenbereich.

Zu allem Übel sind besonders kleine Kinder natürlich noch nicht in der Lage einzuschätzen wie wichtig Selbstdisziplin an dieser Stelle ist. Es gilt: Wenn es juckt muss man kratzen, damit es eben nicht mehr juckt. Doch aufgekratzte Hautbereiche sind besonders gefährdet für eine Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen. Man katapultiert sich also auf direktem Weg in einen Teufelskreis. 

Die Zeit heilt zwar nicht alle Wunden, bei ungefähr einem Drittel der Kinder verringern sich die Symptome jedoch im Laufe der Jahre und verschwinden schließlich ganz.

Neurodermitis bei Erwachsenen

Erwachsene, bei denen sich die Neurodermitis mit der Pubertät nicht zurückgebildet hat, leiden gerade während akuter Krankheitsschübe oft unter Symptomen wie Juckreiz und starker Reizbarkeit der Haut.

Meist tritt die Neurodermitis im Gesicht auf. Je nach individuellem Krankheitsverlauf können zudem lokale lederartige Hautverdickungen oder auch kleine Hautknoten auftreten, die unangenehm kribbeln.

Häufig befällt im Erwachsenenalter die Neurodermitis die Augen. Zu den Körperbereichen, die charakteristischerweise von Krankheitssymptomen betroffen sind, zählen außerdem Stirn und Hals sowie die Innenseiten von Gelenken.

Bei leichtem Krankheitsverlauf können sogenannte Minimalvarianten wie leichte Hautrisse in den Mundwinkeln oder an Ohren und Fingerspitzen auftreten. Möglich sind außerdem schubweise Lippenentzündungen sowie ein Ekzem im Bereich der Brustwarzen.

Zu den Körperbereichen, die charakteristischerweise von Neurodermitis betroffen sind, zählen Gesicht, Augen, Stirn und Hals sowie die Innenseiten von Gelenken.

Was ist die Ursache von Neurodermitis?

Um das direkt vorwegzunehmen: die Neurodermitis Ursache liegt nicht in der Übertragung durch andere. Stattdessen ist man sich ziemlich sicher, dass eine Genveränderung der Grund ist.

Diese Genveränderung sorgt dafür, dass die Haut viel Feuchtigkeit verliert und rasch austrocknet. Die Veranlagung für Neurodermitis ist also vererbbar. 

Es ist ein weit verbreiteter Glaube, der mit den meisten Hautkrankheiten einhergeht, gegen den jedoch unbedingt angegangen werden muss. Neurodermitis beim Kind oder auch im Erwachsenenalter ist weder ansteckend, noch auf mangelnde Hygiene zurückzuführen, in welcher Form auch immer sie auftritt.

Wo genau die Ursache für atopische Ekzeme liegt, ist noch nicht genug geklärt. Die Wissenschaft geht allerdings davon aus, dass die Krankheit multifaktoriell bedingt ist, gewissermaßen also eine Verkettung unglücklicher Umstände. 

Nach aktuellem Wissensstand steht am Beginn eine Störung der Barrierefunktion der Haut. Ein Mangel an bestimmten Eiweißen führt dazu, dass die Haut ihre schützende Hornschicht fehlerhaft aufbaut und daher leicht austrocknet. Die derart trockene Haut ist anfällig für äußere Einflüsse jeglicher Art.

Einig ist man sich auf jeden Fall darüber, dass die Genetik eine wichtige Rolle spielt. So hat zum Beispiel ein Neugeborenes mit einem betroffenen Elternteil bereits ein 40 prozentiges Risiko zu erkranken. Liegt die Neurodermitis bei beiden Eltern vor, steigt es sogar auf 70 %.

Neben einer genetischen Veranlagung können sich verschiedenste Risikofaktoren auf Krankheitsschwere beziehungsweise Häufigkeit und Ausprägung individueller Schübe auswirken. Die Bandbreite möglicher Faktoren ist jedoch enorm und variiert von Patient zu Patient. 

Was löst Neurodermitis aus?

Wie das Krankheitsbild selbst, sind auch die Auslöser für Neurodermitis vielfältig. Hat man eine genetische Veranlagung, müssen nicht zwangsläufig Symptome auftreten. Allerdings ist es meist nur eine Frage der Zeit, bis bestimmte Trigger Neurodermitis-Schübe  auslösen.

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen neben zu starker Hygiene vor allem Allergene. Das sind Reizstoffe, die aus der Umwelt oder über die Ernährung aufgenommen werden und eine allergische Reaktion provozieren.

Besonders im Winter stellen zudem die starke Kälte und Trockenheit eine große Belastung für unsere Haut dar. So kann auch die Sonne, durch die UV-Bestrahlung und das UV-Licht, negative Auswirkungen auf die Haut haben.

Ist diese durch eine Erkrankung mit atopischer Dermatitis schon vorher beeinträchtigt, können die extremen Witterungsbedingungen Symptome nicht nur auslösen, sondern sogar noch verschlimmern. 

Auch verschiedene Textilien können bei einigen Betroffenen als Risikofaktoren angesehen werden. So ist es beispielsweise möglich, dass Patienten negativ auf Materialien wie Wolle reagieren oder auf Schadstoffe in neuer und noch nicht (oder falsch) gewaschener Kleidung. 

Risikofaktoren gehen für Neurodermitis-Patienten außerdem von Tätigkeitsbereichen, wie zum Beispiel pflegerische oder landwirtschaftliche Berufe aus. Bei diesen Arbeiten gerät die Haut oft mit Feuchtigkeit und Schmutz in Kontakt.

Nicht zuletzt können patientenspezifisch auch Einflussfaktoren wie Tabakrauch, hormonelle Schwankungen und starkes Schwitzen zu Auslösern eines Neurodermitis-Schubes werden. Je nach Art des Trigger unterscheiden wir 2 typische Formen der atopischen Dermatitis.

Was ist die Ursache von Neurodermitis?

Extrinsische Krankheitsform

Bei der weitaus häufigeren extrinsischen Form sind Antikörper vom Typ Immunglobulin E (IgE) im Blut deutlich erhöht. Klassische Allergien bei Neurodermitikern sind Reaktionen auf Hausstaubmilben aber auch Pollen und Nahrungsmittel.

Bei dieser Art der Neurodermitis können Schübe durch diese Allergene ausgelöst werden, aber auch unabhängig von ihnen. Wichtig zu unterstreichen ist, dass die Neurodermitis keine Nahrungsmittelallergie ist, sondern manchmal gemeinsam mit dieser auftritt. 

Intrinsische Krankheitsform

Bei der intrinsischen Form der Neurodermitis liegt der IgE-Spiegel im Normalbereich. Das heißt, allergische Reaktionen spielen in diesem Fall bei der Auslösung der Neurodermitis eher keine Rolle.

Durch Langzeitbeobachtungen weiß man heute, dass sich erst durch die Barriere-Störung der Haut eine Allergie, beispielsweise auf Nahrungsmittel entwickeln kann.

Dann wird aus der intrinsischen eine extrinsische Neurodermitis. Deswegen ist schon allein die effektive Behandlung der Neurodermitis eine wichtige und sehr wahrscheinlich entscheidende präventive Maßnahme, um die weitere “Karriere” des Neurodermitikers aufzuhalten.

Die Haut im Ungleichgewicht

Der menschliche Körper ist auf der Haut von einer Vielzahl verschiedener Mikroorganismen besiedelt. Die Gesamtheit dieser Mikroorganismen wird ‚Mikrobiom‘ genannt.

Es dient der Erhaltung unserer Gesundheit und  ist die erste Abwehr gegen Krankheitserreger. Damit Eindringlinge keine oder nur geringe Chancen haben, brauchen wir eine mikrobielle Vielfalt, die schädlichen Keimen keinen Platz bietet.

Jeder Mensch hat ein individuelles Hautmikrobiom, das sich auch von Körperpartie zu Körperpartie stark unterscheidet. Bei Hauterkrankungen ist dieses verändert. 

Bei Neurodermitis ist die trockene und entzündete Haut zwar auf einer gestörten Hautbarriere begründet, dennoch ist die veränderte bakterielle Besiedlung ein wichtiger Punkt für die Ausprägung der Erkrankung.

Die Vielfalt der natürlichen Bakterien auf der Haut nimmt mit steigendem Schweregrad der Neurodermitis ab und schafft Platz für schädliche Mikroorganismen. Diese können nun leichter eindringen und allergische Reaktionen und Infektionen verursachen. Bringt man das Hautmikrobiom wieder ins Gleichgewicht kann eine Verbesserung erzielt werden.

Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern

Neurodermitis kann grundsätzlich zu jeder Zeit auftreten, am häufigsten beginnt sie aber schon im Säuglingsalter. Bei Babys werden Neurodermitis-Symptome oft zuerst im Gesicht und auf der Kopfhaut sichtbar.

Neurodermitis auf der Kopfhaut erkrankter Babys bildet sich meist in Form von sogenanntem Milchschorf aus. Seine Bezeichnung verdankt der Milchschorf typischen Schuppenkrusten, die durch ihre weiße Farbe verbrannter Milch ähneln.

Des Weiteren sind bei Babys die an Neurodermitis erkrankt sind häufig auch die Innenseiten der Arme und Beine von Hautveränderungen betroffen. Gelegentlich treten außerdem nässende Ekzeme im Bereich des Mundes auf. 

Bei Säuglingen verlagern sich die entzündeten Hautstellen vermehrt auf das Gesicht, Ohren und anderen Bereiche des Kopfes. Im Kleinkindalter sind oft die Gelenkbeugen der Arme und Beine betroffen.

Aber auch Nacken, Gesicht, Gesäß und Oberschenkel, Fußrücken und Hände von Kleinkindern können die entzündlichen, juckenden Hautveränderungen aufweisen.

Oftmals verbessert sich mit der Zeit das Hautbild deutlich. Dennoch können gerade in schweren Fällen betroffene Regionen verdicken und eine gröbere Struktur der Haut mit sich bringen, die noch jahrelang erkennbar sein kann. 

Kinder, die atopische Dermatitis haben oder hatten, haben ein erhöhtes Risiko später an anderen allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma zu erkranken. 

Neurodermitis bei Babys und Kleinkindern

Neurodermitis bei Babys vorbeugen und behandeln

Besteht eine genetische, erbliche Veranlagung für atopische Dermatitis, sollten frisch gebackene Eltern sich bereits vor der Geburt über Möglichkeiten der Vorbeugung oder zur Behandlung bei Kindern informieren. Außerdem gilt es einige Hinweise zu beachten, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern oder zumindest die Symptome abzumildern.

Positiv auszuwirken scheint sich die Pflege der Haut durch konsequentes tägliches Eincremen des gesamten Körpers mit einer geeigneten Pflegecreme. Außerdem kann es hilfreich sein, enge Kleidung aus Kunstfaser zu meiden. Weite Kleidungsstücke aus Baumwolle oder Leinen geben den kleinen Patienten nicht nur Bewegungsfreiraum, sondern verringern auch Hautreizungen und Ekzeme. 

Stillen schützt Säuglinge einer Studie zufolge hingegen nicht vor der Entwicklung einer atopischen Dermatitis. In der britisch-deutschen Studie ISAAC wurden über 51.000 Kinder zwischen 8 und 12 Jahren aus 21 Ländern untersucht.

Insgesamt erbrachte die Studie keine Hinweise darauf, dass Stillen Kinder vor der Entwicklung einer atopischen Dermatitis schützt.​1​

Umgang mit Neurodermitis bei (Klein)Kindern

Ein Kind mit Neurodermitis kann normal in den Kindergarten gehen, ohne dass Risikofaktoren entstehen. Leider sind die Blicke und Kommentare anderer Kinder, anderer Eltern und auch der Erzieher oft urteilend.

Daher ist es besonders wichtig, dass Eltern oder Erziehungsberechtigte sich für die Kinder. So kann man über den Umgang mit der Krankheit aufklären. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass die Krankheit keinen ansteckenden Charakter hat. So können Kinder die Krankheit sowie die Behandlung besser verstehen. 

Wir müssen nicht nur uns sensibilisieren, sondern auch unseren Kindern aufklären. Bei Neurodermitis handelt es sich um nichts Gefährliches, aber die Hautkrankheit kann für die Betroffenen extrem unangenehm sein. 

Wie wird Neurodermitis behandelt?

Eine Neurodermitis-Erkrankung ist zwar nicht heilbar und bleibt meist das gesamte Leben lang bestehen. Aber es gibt viele Wege, die Symptome abzuschwächen oder zumindest eine Zeit lang verschwinden zu lassen.

Ein bestimmtes Medikament, das allen Betroffenen hilft, gibt es jedoch nicht. Jeder Neurodermitiker muss für sich selbst herausfinden, welche Therapie ihm am besten hilft. Bist du von einer Neurodermitis betroffen, solltest du drei wichtige Punkte beachten.

Hautpflege bei Neurodermitis

Egal ob winterliche Kälte oder häufiges Baden im Sommer, die Haut eines Neurodermitikers ist das gesamte Jahr über trocken und strapaziert. Daher ist es besonders wichtig individuell wirksame Pflegeprodukte zu finden. Nutze reichhaltige Cremes und Reinigungsprodukte, die deiner Haut dauerhaft Feuchtigkeit spenden, anstatt sie auszutrocknen.

Welches Produkt im Einzelfall geeignet ist, hängt stark vom Hautzustand ab. Generell gilt: Je besser der Hautzustand, desto fetthaltiger kann das Pflegemittel sein. Bei starkem Juckreiz greift man eher auf wässrige Lotionen zurück. Diese sind auch verträglicher im Kontakt mit nässenden Hautekzemen.

Neurodermitis-Cremes haben in der Regel nicht nur einen rückfettenden Charakter. Sie können auch zusätzliche Stoffe zur Abschwächung der Symptome enthalten.

Produkte die mit Urea, also Harnstoff, versetzt sind, spenden zum Beispiel nicht nur Feuchtigkeit, sondern lindern auch den Juckreiz. Im schweren Stadium helfen oftmals nur noch kortisonhaltige Salben, die der Hautarzt individuell zusammenstellt.

Wichtig ist auf jeden Fall, darauf zu achten, dass die verwendeten Cremes frei von Konservierungsmitteln und Duftstoffen sind. Da sonst die Gefahr der zusätzlichen Entwicklung einer Kontaktallergie besteht. Eine Einholung von Hautinfo und Produkttippps von einem Dermatologen ist daher ratsam.

Wie wird Neurodermitis behandelt?

Vermeidung von Auslösern

In erster Linie gilt es natürlich deine individuellen Auslöser zu vermeiden. Der richtige Umgang mit Provokationsfaktoren kann bereits erste Hilfe versprechen. Versuche Lebensmittel, Duftstoffe oder andere Trigger, die bei dir in der Regel akute Schübe auslösen so gut es geht aus deinem Leben zu streichen. Hier gilt: Aller Anfang ist schwer. Besonders, wenn gerade die Lieblings-Schokolade für akute Schübe verantwortlich ist, fällt der Verzicht oftmals nicht leicht.

Doch hier zahlt sich Disziplin definitiv aus. Bereits nach kurzer Zeit solltest du eine Verbesserung deines Hautbildes und Linderung der Symptome feststellen können.

Siehst du erste Erfolge, stellt auch die Abstinenz meist keine große Herausforderung mehr dar. Wie sagt man so schön? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Ernährung bei Neurodermitis

Mittlerweile sind sich viele Mediziner einig, dass einige Inhaltsstoffe von Lebensmitteln Allergien auslösen und Hauterkrankungen wie Neurodermitis begünstigen.

Zu den Inhaltsstoffen der bestimmten Nahrungsmittel zählen beispielsweise Geschmacksverstärker wie Glutamat, aber auch Gewürze und Farbstoffe. Ein häufiges Problem sind außerdem Eier, Milch, Zitrusfrüchte und Nüsse. Darüber hinaus können auch Kaffee und Alkohol zu einer Verschlimmerung von Hauterscheinungen und Ekzemen führen.

Aus diesen Gründen ist es besonders wichtig, sich mit der Ernährung bei Neurodermitis zu beschäftigen. Es gilt eventuelle Zutaten und Nahrungsmittel, welche die Krankheit verstärken können, vom Speiseplan zu streichen.

Eine pauschale Vorgabe für die richtige Neurodermitis Ernährung gibt es jedoch nicht. Es ist daher in jedem Fall ratsam, dass du dich auch in Sachen Ernährung an deinen behandelnden Arzt wendest, um mögliche Diätpläne abzustimmen.

Stress und Neurodermitis

Haut und Psyche sind eng miteinander verknüpft. Nicht umsonst sagt man auch, dass man sich “nicht wohl in seiner Haut fühlt” oder “aus der Haut fährt”. 

Bei Neurodermitis spielt nicht nur die körperliche, sondern insbesondere die seelische Gesundheit eine entscheidende Rolle. Stress und psychische Belastung können die Beschwerden einer atopischen Dermatitis deutlich verstärken. 

Vor allem in der Pubertät leiden Menschen mit Neurodermitis unter Stigmatisierung, Mobbing und Ausgrenzung. Häufiges Fehlen in der Schule und starke Einschränkungen bei Freizeitaktivitäten mit Freunden gehören zum Alltag von Betroffenen der Hauterkrankung. Quälender Juckreiz lässt sie oft nicht schlafen.

Er löst Reizbarkeit und Konzentrationsschwäche aus, welche wiederum den Stress verstärken. Ein Kreislauf, dem man nur schwer entflieht. In dieser besonders schwierigen Lebenszeit kann dieser enorme Verlust an Lebensqualität schnell starke psychische und emotionale Auswirkungen haben.

Doch auch Neurodermitis bei Erwachsenen kann sich durch psychischen Stress verschlimmern oder ausgelöst werden. Neurodermitikern wird meist empfohlen Stress und psychische Belastungen zu reduzieren, doch das ist nicht so leicht wie es klingt.

Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Meditation haben sich bewährt bereits vorhandene Anspannung abzubauen.

Besonders bei Kindern sollte das Umfeld über Neurodermitis aufgeklärt werden. Wissen die Mitschüler über die Krankheit Bescheid, ist es oft für alle Beteiligten einfacher und die seelische Belastung für Erkrankte geringer. 

Neurodermitis betrifft die ganze Familie. Eltern und Geschwister sollten sich deshalb professionell schulen lassen. Je gelassener die Angehörigen mit der Krankheit umgehen, desto mehr Unterstützung erfahren Neurodermitiker und desto geringer ist das Stresslevel. 

Hausmittel gegen Neurodermitis

Es gibt eine Vielzahl an rezeptfreien und verschreibungspflichtigen Cremes und Salben, um die Neurodermitis-Symptome in den Griff zu bekommen. Trotzdem können sich zur Behandlung auch klassische Dermatitis Hausmittel empfehlen. So können eine Tinktur oder bestimmte Kräuter eine Hilfe gegen Neurodermitis sein.

Sie können den Juckreiz auf natürliche Art und Weise bekämpfen und dabei helfen die körpereigene Schutzbarriere der trockenen Haut wieder aufzubauen. Die Wirkung ist bisher nicht wissenschaftlich belegt, allerdings berichten einige Neurodermitis-Patienten von positiven Effekten nach Anwendung von Hausmitteln.

Alternative Behandlung ohne Medikamente

Alternative Behandlung ohne Medikamente

Es gibt verschiedene Heilverfahren der alternativen oder komplementären Medizin die in der Behandlung von Neurodermitis angewendet werden. Obwohl die Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt ist, kommt vorwiegend Homöopathie zum Einsatz. 

Neurodermitis-Symptome wie trockene Haut oder entzündliche Hautveränderungen sollen sich zum Beispiel mit Schüßler-Salzen erfolgreich lindern lassen.

Manche Patienten nutzen zudem die feuchtigkeitsspendenden und regenerativen Eigenschaften der Aloe Vera ergänzend zur Behandlung der atopischen Dermatitis. Die kakteenartige Pflanze wirkt kühlend und hat einen antibakteriellen Charakter, welcher besonders die Heilung der Hautekzeme begünstigen kann.

Darüber hinaus werden wertvollen Pflanzenölen wie Nachtkerzenöl, Schwarzkümmelöl und Borretschsamenöl positive Wirkungen auf Hauterkrankungen nachgesagt. Sie liefern viel Gamma-Linolensäure.

Diese Omega-6-Fettsäure kann bei Neurodermitis Ekzemen entzündungshemmend wirken. Außerdem soll die Linolsäure des Arganöls die Heilung von Hautekzemen begünstigen. ern

Neuere Ansätze fokussieren sich hingegen eher auf das geschwächte Hautmikrobiom. Man möchte mithilfe von sogenannten Bakteriophagen vor Neurodermitis-Infektionen vorbeugen oder zumindest besser kontrollieren können, indem das Mikrobiom der Haut stabilisiert und gestärkt wird.

So ist zwar auch keine Heilung möglich, aber das mikrobielle Hautgleichgewicht kann mit der Anwendung der Phagen wiederhergestellt und so Rötungen und Juckreiz reduziert werden.

Fazit

Neurodermitis ist letztendlich mehr als nur eine bloße Hautkrankheit. Sie ist eine große Herausforderung unserer Zeit – für die einzelnen Betroffenen, ihr soziales Umfeld und die Medizin. Die Auswirkungen auf Alltag und zwischenmenschliche Beziehungen sind sehr wohl vorhanden und dürfen nicht vernachlässigt werden.

Es gibt jedoch Lösungen: Wenn du an Neurodermitis leidest, solltest du einen Hautarzt aufsuchen, der die Diagnose bestätigt, eine geeignete Behandlung empfiehlt und den Verlauf dieser chronischen Krankheit verbessert.

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    Flohr C, Nagel G, Weinmayr G, et al. Lack of evidence for a protective effect of prolonged breastfeeding on childhood eczema: lessons from the International Study of Asthma and Allergies in Childhood (ISAAC) Phase Two. British Journal of Dermatology. Published online November 2, 2011:1280-1289. doi:10.1111/j.1365-2133.2011.10588.x
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